Tournee 2017 – Panik!

Alle sind bereit. Die Show kann beginnen. Eine gutgelaunte Zirkusband setzt Trompeten und Posaunen an, die Spannung steigt, der Vorhang geht auf… Geht nicht auf! Der Vorhang geht nicht auf! Hängt da jemand ängstlich an den Vorhangzipfeln?

 

Das Zirkus Chnopf-Ensemble wagt sich mit «Panik!» in die Windungen der Angst, kämpft gegen den Schrecken – und lernt zu fliegen. Denn wenn einer richtig Angst hat, fängt alles an zu zittern. Aber wenn alle fliegen, fliegt er mit...

 

Zirkus Chnopf feiert seine 27. Weltpremiere wieder auf dem Seeplatz bei der Roten Fabrik. Ein Freilichtspektakel ohne Netz und doppelten Boden – ein fantasievolles Stück Neuer Zirkus für die ganze Familie. Der Sommer kann kommen!

 

«…gerade wegen ihrer Simplizität sind viele der Darbietungen bestechend… dank spartenübergreifender Vermischung verschiedenster Disziplinen wird einem hier ein kurzweiliges und unterhaltsames Stück Nouveau Cirque gezeigt. Das funktioniert sowohl für Kinder als auch für Erwachsene…»
Der Bund 19.8.2016

 

Regie Daniel Pfluger Artistik Laura Tikka Bühne/Kostüme Stefanie Liniger Komposition/Musikalische Leitung Victor Moser Mit Julia Daschinger, Nicole Kaspar, Sanna Zoll; Gary Bernasconi, Jonas Bolliger, Marius Cavin, Ivan Georgiev, Lino Gioia, Jeele Johannsen, Konrad Utzinger Gesamtleitung Konrad Utzinger Künstlerische Leitung Matthias Schoch Produktionsleitung Regula Maurer, David Sieger

 

(70 Minuten, ab 5 Jahren)

 

Jetzt vormerken: PREMIERE 16. Juni 2017 19:30, Zürich Rote Fabrik

 

 

 

Gedanken zur Thematik

Die Angst ist ein äusserst nützlicher und wirkungsvoller Schutzmechanismus der Natur. Sie versetzt uns in Alarmbereitschaft, die Leistungsfähigkeit steigert sich, die Sinne werden geschärft, der Körper schöpft sein volles Potential aus. Sie bewahrt uns vor unüberlegten Entscheidungen.

 

Die Angst wäre ein wunderbarer Weggenosse. Wenn sie uns nicht gleichzeitig so angreifbar und manipulierbar machen würde.

 

Zur Zeit erleben wir weltweit den Aufstieg des Populismus. Dies – und darüber sind sich sowohl die Gegner wie auch die geistigen Führer der populistischen Bewegungen einig – ist nur möglich durch die Bewirtschaftung von Ängsten. Ängste, die nicht mal einen realen Hintergrund benötigen. Eine diffuse Angst reicht. Das Gefühl ist so stark, dass die Angst zur Wahrheit wird. Sie grenzt uns ab, macht uns zu Kämpfern und lässt uns möglichst ähnliche Partner suchen. Unsere Welt wird kleiner. Der Hass wächst.

 

–––

Als Bühnenkünstler kennen wir die Angst gut. Sie ist unser ständiger Begleiter. Fast in jedem Moment, in dem wir unserer Berufung nachgehen, begeben wir uns in den Austausch mit ihr, lernen damit umzugehen, sie zu überwinden oder zu akzeptieren. Und die Angst ist unser Geschäft, denn die Lust am Theater als Kunstform des Hier und Jetzt ist das Spiel mit der Angst. Die verzückt panischen Aufschreie, wenn der Fuss der Seiltänzerin abrutscht. Unsere angespannten Körper, wenn der Jongleur zwei weitere Bälle fordert. Meine reflexartig zugekniffenen Augen, wenn der Artist Anlauf holt und springt…

 

Auch wir bewirtschaften die Angst. Aber unser Geschäft ist ein heilendes. Als Bühnenkünstler gehen wir an die Grenzen des Möglichen und inspirieren damit die Menschen, die Mauern der Angst zu durchbrechen. Wir locken mit der Magie und der Poesie, die auf der anderen Seite der Nacht liegen, welche die Angst um uns webt.

 

Deshalb stellen wir uns dieses Jahr der Angst. Gemeinsam mit dem Publikum.

 

––– 

Nach der Erforschung von Leistungsdruck («perfekt defekt» 2015) und der Grenze zwischen «Du» und «Ich» («DU DA DA ICH» 2016) ist die Auseinandersetzung mit Angst die inhaltlich logische und politisch notwendige Weiterführung unserer künstlerischen Arbeit. Wir suchen immer einen Makrokosmos – in diesem Fall den gesellschaftlichen Kontext der diffusen Angst – und fügen ihn in unseren persönlichen Mikrokosmos ein – die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft einer freien Gruppe. Wo finden wir in uns und unserer täglichen Arbeit das, was uns auf gesellschaftlicher Ebene schockiert, verstört oder umtreibt?

 

Schaffen wir es, mit der Stückentwicklung «Panik!» den Zuschauern diesen Moment des Glücks zu schenken, ohne ihnen die Frustration und die Zweifel auf dem Weg dorthin vorzuenthalten? Können wir dem Publikum zeigen, wie Angst und Frustration in Wut und Destruktion umschlagen? Und wie verletzlich und manipulierbar eine Seele wird, die immer wieder versucht und scheitert? Wenn uns dies gelingt, gelangen wir vielleicht zum Kern der Kräfte in uns vor, die momentan unsere Gesellschaften spalten und unsere Gedankenwelt schrumpfen lassen.

 

Wie begegnen wir der Angst in uns? Und was können wir der momentan wahrgenommenen, diffusen Angst persönlich und politisch entgegensetzen?

 

Zirkus Chnopf Team 2017

© 2016 | Zirkusquartier Zürich: Flurstrasse 85, 8047 Zürich, +41 44 301 02 01 | Zirkus Chnopf: +41 79 449 63 00