Zirkus Chnopf 2018 – GUGUS

Liebe Zuschauer*innen

 
Vielleicht ist die Welt anders, als ich sie sehe?

 
Manchmal begegnen uns Menschen, die irritieren: durch ihre Art, ihr Denken, ihr Aussehen. Früher nannte man jene, die nicht ins Raster passten, «Freaks» und sortierte sie aus. In «Sideshows» wurden jene Menschen ausgestellt, welche dem «normalen» Bürger beim Betrachten einen Schauer verschafften.

 
Für GUGUS beschäftigten wir uns mit den schrägen Nebenfiguren aus «Alice im Wunderland». Sie faszinierten uns, weil sie irritieren. Alice erlebt, von ihnen angelockt, Unfassliches: die Welt wächst und schrumpft um sie herum – oder ist es ihre Körpergrösse, die sich verändert? Geht die Perspektive verloren, ist plötzlich alles möglich. So gesehen werden Irritationen zu Momenten der Befreiung: Die Welt könnte auch ganz anders sein. Ich könnte jemand Anderes sein.

 
Wir sehen die Welt aus unterschiedlichen Richtungen. Dass wir uns dennoch immer wieder in derselben, gemeinsamen Realität wiederfinden, ist erstaunlich – und wichtig. Denn wer nur noch seine eigenen «Fakten» wahrnimmt, erzählt bald nur noch eins: Gugus.

 
Wir wünschen befreiende Irritationen – während GUGUS und darüber hinaus.
Danke, dass Ihr da seid!


Das Leitungsteam
Konrad Utzinger, Matthias Schoch, David Sieger

 

 

Regie Daniel Pfluger Artistik Ulla Tikka Bühne/Kostüme Stefanie Liniger Komposition/Musikalische Leitung Moritz Alfons Texte Julia Haenni Mit Julia Daschinger, Zora Eichenberger, Alda Otter, Luisa Schmitz, Sanna Zoll, Gary Bernasconi, Jonas Bolliger, Simone Fiore, Sämi Messerli, Sandro Zehnder Gesamtleitung Konrad Utzinger Künstlerische Leitung Matthias Schoch Produktionsleitung Dave Sieger

 

(70 Minuten, ab 5 Jahren)

 

 

 

 

GUGUS – Zirkus Chnopf 2018

Gedanken zur Thematik

von Daniel Pfluger (Regie)

 

Was ist sie denn, die Freiheit, und wie sehr sind wir bereit ihr zu folgen und die Gesellschaft, in der wir leben, zu verlassen? Wer sich traut, wird häu?g zum Aussenseiter, früher gerne als „Freak“ verunglimpft. Aber #freaky sind wir heute doch irgendwie alle ein bisschen. Die Wirtschaft liebt ihre Freaks und Nerds, diese Leute, die anders denken, neue Perspektiven eröffnen und sich ausserhalb des Mainstreams  fühlen wie ein Fisch im Wasser.

 
Der Duden bezeichnet den Freak als eine „Person, die sich nicht ins bürgerliche Leben einfügt, die ihre gesellschaftlichen Bindungen aufgegeben hat, um frei zu sein.“ So sind die Zirkusmenschen vermeintlich: Personen, die sich aus dem Alltag herausgenommen haben, ihr ganzes Leben ihrer Kunst und Leidenschaft widmen, Sicherheit und Wohlstand aus dem Fenster geschmissen haben, um frei zu sein. Doch die Suche nach der Freiheit ist ein stetiger Kampf, jeden Tag aufs Neue zu führen. Sind wir deswegen so anders als unsere Zuschauer? Oder werden diese  nicht gerne von uns verführt, um sich selbst zu entdecken? Steckt in uns allen nicht ein Freak, der nur darauf wartet frei zu sein? Und ist die Freiheit nicht das höchste Gut in einer Welt, die gefühlt jeden Tag ein wenig enger wird? In der Leistungsgesellschaft und Karriere schon ins Schulalter übergreift? Wo jeder sich selbst verwirklichen muss, aber bitte immer mit Erfolg? Wo ist die Lust am Scheitern? Wo sind die Menschen, die vom Fliegen träumen und dabei riskieren immer wieder abzustürzen? Wo sind die Visionäre, die Spinner, die Fantasten und die Um-die-Ecke-Denker? Und vor allem: wo ist ein Platz in unserer Mitte für diese Verteidiger der Freiheit?

 
Inspiriert von surrealistischen und dadaistischen Künstlern, der Fauna und den Figuren aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ erschafft der Zirkus Chnopf dieses Jahr eine Welt, in der alle die Freiheit suchen, jeder seine eigene, und zeigt ein Kuriositätenkabinett, das die Grenzen der Realität immer wieder lustvoll hinterfragt.

 

 

Zirkus Chnopf Team 2018

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